SPÖ will Frauen - Badeabend in Linz unabhängig von Konfession, FPÖ lehnt dies ab und ÖVP enthält sich.
"…da sind Milben (*) drinnen - und was weiß ich noch. Keiner weiß wann es zuletzt gewaschen wurde …"
"… da graust es einem".
"…unappetitlich".
Duschen für Muslimas "keine Selbstverständlichkeit".
Gemeinderätin Ute Klitsch (FPÖ) über die Badebekleidung muslimischer Frauen. Nach ihrer Ansicht gehen die ohnehin mit dem "Gewand" baden.
(*)Die meisten Menschen beherbergen Milben, beispielsweise an den Haarwurzeln der Augenwimpern. Im "Gewand" sowieso, ebenso sind Milben ausnahmslos in den Wohnungen zu finden. Die bekannteste ist die Hausstaubmilbe.
"Küss' die Hand Frau Ute! Heut' schon geduscht? S' Hoserl gewechselt?"
Was würden sie sagen, wenn ich Sie so begrüßen würde? Dabei wäre dies noch die höflichere Form der Begrüßung, ließe sie doch ein klares "Ja, natürlich!" - frei nach dem Billa Schweinchen - zu. Ihre Diktion ist aber eine andere. "Da sind Milben drinnen!" was man eigentlich wieder nur mit einem "Ja, natürlich!" beantworten müsste (siehe *). Nur die meisten Menschen verstehen das so, wie Sie es höchstwahrscheinlich auch meinen. "Die sind unhygienisch, schmutzig, dreckig!" Das Wort "Untermenschen" fehlt noch, aber auch das wird ihnen sicher einmal heraus rutschen. "Hoppla, war nicht so gemeint!" wird es dann heißen.
Was Sie da machen nennt man in der Umgangssprache "Zündeln". Anzünden, einheizen, aufheizen, anders formuliert. Damit kochen Sie ihr blaues Süppchen. Nur … wer mag schon ein blaues Süppchen?
Ich möchte mich aber nicht in Wortspielen erschöpfen, dafür ist die Sache viel zu ernst. Sie haben sich Sorgen um das Linzer Neustadtviertel gemacht. Um die Sprachkenntnisse, um den vielleicht mangelnden Integrationswillen mancher Muslime. Gut, sehr gut! Auch wir machen uns Sorgen. Aber ehrliche, ernste.
Klare Worte, klare Fronten. Die Politik ist gefordert, die Betroffenen, die Glaubensgemeinschaften, Vereine, Organisationen. Wir alle! Ohne Polemik, ohne Hintergedanken. Hier, meine liebe Frau Klitsch, könnten Sie, ohne menschenverachtend und beleidigend zu sein, folgende Worte gebrauchen: "Da steckt der Wurm drinnen!" Denn so ist es, oder etwa nicht?
Die wenigsten können miteinander. Schon gar nicht die politischen Parteien. Außer einem grob fahrlässigen Hickhack kommt da nichts mehr heraus. Haben sie es verlernt zu reden, zu argumentieren, zuzuhören, zu verstehen was der andere sagt oder meint? Es scheint so.
Denken sie einmal darüber nach!
Und dann, erst dann sollten Sie sich über die Milben im Gewand moslemischer Frauen Sorgen machen. Und über die in ihrem eignen "Gewand" oder über die in ihrem Bett. Vielleicht duschen Sie ja jeden Tag ausgiebig mit über 60 Grad warmen Wasser, das tun muslimische Frauen natürlich nicht. Aber nur so könnten Sie sicherstellen, dass Sie für einige Zeit "milbenfrei" sein werden. Und das mit dem "Hoserl" betrachte ich ohnehin als ihre Privatsache.
Und weil schon von unappetitlich und grausen die Rede war. Es gibt da noch so "Viecherln", welche einem das gruseln beibringen können. Elektronische sogar. Computerviren sind diesmal gemeint. Die haben ja vor nicht allzu langer Zeit ihr Parteibüro aufgesucht und hinterhältig und klammheimlich Kinderpornos auf die unschuldigen Maschinen geladen. Für die "User" dieser Computer, um es einmal Neudeutsch zu sagen, gilt natürlich die Unschuldsvermutung. Nur sollten Sie einmal hier für ein Hygieneprogramm sorgen, oder besser gesagt um einen effektiven Virenschutz. Bei Mensch und Maschine.
Übrigens in Ried O.Ö. hat es ja ein ähnliches "Badeproblem" für/mit muslimische(n) Frauen gegeben bzw. gibt es dieses noch. Das "Islamische Informations- und Dokumentationszentrum Österreich", kurz "IDZ - Austria", hat hier in einem sehr ausführlichen und konstruktiven Gespräch mit dem Bürgermeister, Stadträten und anderen Verantwortlichen, seine Standpunkte dargelegt, Unklarheiten beseitigt und Vorschläge gemacht. Einer dieser Vorschläge war es, einen generellen Badeabend für alle Frauen, ganz gleich welcher Konfession, zu machen. Im Rieder Stadtrat wird die Sache noch besprochen werden und wir hoffen auf eine für alle befriedigende Lösung.
Günther Ahmed Rusznak
IIDZ- Generalsekretär
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