Geredet ist genug geworden. 2003, 2005 und jetzt 2006. Zu viele Aufgüsse, das Getränk ist schal
geworden. Erklärung 2003, Erklärung 2005, Erklärung 2006. Seitenlange Selbstverständlichkeiten,
seitenlange Beteuerungen und seitenlange Versprechungen. Und weiter?
Das Pulver ist verraucht und verbraucht. Das berühmte "Hornberger Schießen" hat
stattgefunden. Mit Ausnahme der Erklärungen, Erklärungen und der Erklärung...
So geht das nicht, meine sehr geehrten Herrn Imame, meine sehr geehrten Damen und Herrn
von der Islamischen Glaubensgemeinschaft.
Die Veranstaltungen 2003/5/6 haben zu einem Zeitpunkt stattgefunden, als das (Islam-) Haus
Österreich noch (immer) nicht aufgeräumt war. Der eine oder andere "Drüberwischer" mit einem alten
Staubtuch, mehr aber schon nicht.
Fiktives IIDZ - Interview:
Bekenntnis zur Demokratie?
Na klar! Das ist doch eine Selbstverständlichkeit! Aber bitte nicht zu viel.
Stellen Sie sich doch einmal vor, alle Muslime hier in Österreich würden mitentscheiden?
Über uns, über ihre Alleinvertreter? Na das wäre wohl doch ein arges Durcheinender.
Und unter uns gesagt, woher sollte der Muslim aus wer weiß schon von wo wissen,
was hier in Österreich gut für ihn ist? Na also!
Die Wichtigkeit der Deutschen Sprache?
Na klar doch! Was kann es Wichtigeres geben. "Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen
meiner Welt" - ist doch einleuchtend. Oder? Nur … zu weit sollte man doch nicht gehen. Den
Religionslehrern und den Imamen geht es halt nicht so besonders mit der ihnen fremden Sprache.
Da sollte man doch ein Auge zudrücken. Das bessert sich schon mit der Zeit. Und die Türken,
die Bosnier und Araber hören ohnehin lieber ihre eigene Sprache.
Sehen Sie, dass verstehen wir unter "sein Haus nicht aufräumen". Immer diese leeren Worte,
immer das Wort "Dialog". Wir haben es als das bezeichnet was es in Wirklichkeit ist:
Schmusestunden! Und sonst nichts. Jeder hört von Jedem was er hören will. Presse- und
Meinungsfreiheit, na klar doch! Frauenrechte, ganz sicherlich! Menschenrechte, keine Frage!
Das ließe sich noch unendlich fortsetzen, zumindest jene acht Seiten lang, welche die letzte
Erklärung umfasst hat. Ein akuter Fall von Schreibinkontinenz. Dabei wird eine Erklärung von
der anderen, vorhergehenden übernommen, überarbeitet, angepasst und dann neuerlich hinausposaunt.
2007 oder 2008 das nächste Mal, spätestens aber 2012 zu den Feierlichkeiten 100 Jahre
Islamanerkennung in Österreich. Das diese Anerkennung nichts mit dem heutigen Islam in
Österreich zu tun hat, wird man geflissentlich übersehen. Aber darüber werden wir dann
2012 berichten.
Um was es uns jetzt, hier und heute geht, sind die Taten welche den Worten folgen müssen.
Die "andere" Seite ist schon vorgeprescht und hat tatsächlich einmal beim neuen muslimischen
Friedhof Feuer gelegt. Hat vorher Moscheen beschädigt, hat Badeverbote für muslimische Frauen
erlassen, hat Schwierigkeiten bei Islamischen Zentren u.s.w. gemacht. Hier wird gehandelt,
hier wird etwas "getan".
Und bei uns? Bei den Muslimen?
Das "Islamische Informations- und Dokumentationszentrum Österreich" (IIDZ - Austria) ist in einem Brief an die Frau Bundesministerin Elisabeth Gehrer herangetreten und hat folgende Punkte aufgelistet und um Hilfe gebeten:
- Standardisierte Ausbildung muslimischer Religionslehrer
Hier wird von uns ein allgemein gültiges und hoch qualitatives Auswahlverfahren für Islamlehrer in Österreich gefordert. Dass das Beherrschen der heimischen Sprache ein unabdingbares Erfordernis sein muss, gilt als Grundlage. Neben dem einwandfreien Vorleben ist eine pädagogische Ausbildung notwendig. Der Hinweis der Islamischen Glaubensgemeinschaft, dass dies bei den Absolventen der IRPA (Islamische religionspädagogische Akademie) ohnehin der Fall ist, ist nicht stichhaltig. Es würden noch Jahre bzw. Jahrzehnte vergehen bis alle Religionslehrer durch Absolventen der IRPA ersetzt werden würden. Außerdem werden nach gängiger Praxis immer wieder und das sehr häufig, Religionslehrer ohne jedwede Qualifikationen von der IGGiÖ. "ernannt".
- Änderung von Artikel 23 der IGGiÖ (Islamische Glaubensgemeinschaft in
Österreich) - Verfassung.
400.000 Muslime müssen mitbestimmen dürfen, wen sie zu ihren "Alleinvertreter" wählen möchten. Selbst eingetragenen Mitgliedern der Glaubensgemeinschaft ist es unmöglich zu kandidieren, wenn sie nicht die Unterstützung der Amtsinhaber (!) haben. Hier versagt das viel gepriesene Demokratieverständnis.
- Bestrebungen um die Qualitätsstandards österreichischer Imame zu heben.
Der dritte Punkt wird wohl der schwierigste sein. Die Anzahl nicht Deutsch sprechender Imame in Österreich ist unüberschaubar hoch. Sie kommen oft noch dazu aus ländlichen Gebieten ihrer islamischen Heimatländer und sind mit der modernen, westlichen Welt heillos überfordert.
Diese Problematik haben namhafte Islamexperten wie Bassam Tibi oder Sohib Bensheik schon lange vor uns erkannt. Diese Imame führen ihre jeweiligen Gemeinden dann in eine ausweglose Isolation. Lieber spät als gar nicht sollte dem entgegen gesteuert werden.
Auch hier wäre die Islamische Glaubensgemeinschaft gefordert, sie hat aber wenig bis keinen Kontakt zu diesen oft sehr kleinen Strukturen.
Als Alleinvertreter für alle Muslime hier in Österreich wäre sie aber, unserer Ansicht nach, verpflichtet diese Kontakte aufzubauen und zu verfestigen. Damit wäre auch eine Steuerungsmöglichkeit hinsichtlich der Qualifikation und der Sprachkenntnisse gegeben.
Soweit einmal die wichtigsten Anliegen des IIDZ. Verbunden mit dem Aufruf zum Handeln.
Wir werden weiter darüber berichten.
IIDZ - Team
11.04.2006
Kontakt:
0699 / 884 658 04
rusznak@iidz.at