In Europa leben rund 25 Millionen Muslime. In Gesamteuropa leben derzeit etwa 52 Millionen Moslems einschließlich des europäischen Teils Russlands und der Türkei. Laut einer Studie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften werden in Österreich im Jahr 2050 zwischen ein und zwei Millionen Moslems leben. Das sind dann 13 - 25 Prozent der österreichischen Bevölkerung. Bei den Jugendlichen in Wien wird im zweiten Quartal dieses Jahrtausends die Mehrheit muslimisch sein. Soweit einmal die Fakten.
Wir wissen, es besteht Handlungsbedarf und gleichzeitig dürfen wir uns natürlich fragen: Warum eigentlich? Wird etwa in diesem menschlich - muslimischen Wachstumspotential eine weitere mangelnde Integrationsbereitschaft vorhanden sein? Wird die Zukunft die Gefahr einer Fundamentalisierung und damit die Gefahr von Terrorismus, Gettoisierung, Parallelgesellschaften, Ausgrenzung, Abgrenzung usw. bringen?
Wenn wir heute die Entscheidungsträger, die Verantwortlichen für die Sicherheit dieses Landes und letztendlich auch die Alleinvertreter aller Muslime, gemeint ist die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich, fragen, wird man dazu neben einem mitleidigen Lächeln, die nahezu absolute Verneinung all dieser Befürchtungen zu hören bekommen.
Also was machen wir uns da Sorgen, quälen uns mit unbegründeter Schwarzmalerei?
Jetzt frage ich Sie einmal: Was weis die Mehrheitsbevölkerung wirklich über die Muslime in Österreich? Also da wäre einmal die derzeitige Zahl von 400.000 Menschen, welche sich als Anhänger des Islam in Österreich deklarieren. Anhänger des Islam ist die offizielle Bezeichnung für Muslime oder Moslems. Ich gehöre auch dazu.
Jetzt gehen wir weiter. Eine homogene Masse, diese 400.000 Exemplare? Mitnichten! Dem unbedarften Österreicher stellen sich die Moslems aber so dar. Da müssen wir aber an der Oberfläche zu kratzen beginnen. Der Islam ist keine einheitliche, monolithische Religion. Auch er ist in seiner Geschichte durch Höhen und Tiefen gegangen und das hat eben seine Spuren hinterlassen. Die Hauptspuren nennen sich Sunniten und Schiiten. Gefolgt von Aleviten und unzähligen anderen Gruppierungen, so wie das eben bei jeder anderen Religion auch ist.
Sunniten, Schiiten, Aleviten. Mit ihnen müssen wir uns daher vorrangig befassen hier in Österreich. 60.000 Schiiten, 60.000 Aleviten stehen rund 280.000 Sunniten gegenüber. Die große Mehrheit ist also sunnitisch. Dann wären da natürlich noch die verschiedenen Nationalitäten der Muslime zu berücksichtigen oder besser gesagt die Herkunftsländer dieser Menschen, denn nur ein winziger Teil von ihnen hat seine ursprünglichen familiären Wurzeln hier in Österreich. Überwiegend die Türken waren es, welche in den 50er Jahren zu uns gekommen sind, wirtschaftsbedingt. Bosnier zum Teil kriegsbedingt, und ein geringer Anteil von Arabern, teils aus dem einen, teils aus dem anderen Grund. Nicht immer, aber vielfach.
Und jetzt müssen wir die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) ins Spiel bringen. Sie ist aus dem moslemischen Sozialdienst hervorgegangen und basierend auf dem Islamgesetz von 1912 im Jahr 1979 errichtet worden und zwar als Körperschaft öffentlichen Rechts. Vertreten werden von ihr die schon erwähnten Anhänger des Islams und zwar alle, ohne Ausnahme.
Gut oder schlecht so? Wie bei vielem im Leben kommt es wieder einmal auf den Blickwinkel an. Die Leute, welche sich da auf der Grundlage eines interessanterweise in der republikanischen Verfassung wieder gefundenen Monarchiegesetzes, "ihre" Glaubensgemeinschaft aufgebaut und damit den Alleinvertretungsanspruch in Beschlag genommen haben, werden das wohl als "Gut" empfunden haben. Die Entscheidungsträger in Verwaltung und Politik hatten und haben einen einzigen Ansprechpartner, also ebenfalls ein Vorteil.
Und der Rest?
Auf der Strecke geblieben sind die Muslime. Und zwar sage und schreibe 99 Prozent. Wie kommt man auf diesen Prozentsatz? Entscheidungsberechtigt sind nämlich nur rund 3000 bis 4000 Muslime in der Glaubensgemeinschaft. Das sind die eingetragenen Mitglieder. Und davon gehen wiederum lediglich rund 1500 zur Wahl. Also zirka 0,5 Prozent entscheiden über das Wohl und Wehe von 400.000 Muslimen, oder Anhängern des Islams in Österreich. Aber es kommt noch schlimmer. Diese 1500 wählen dann einige wenige Vertreter, welche in einer vollkommen undemokratischen Weise die Gangart der Glaubensgemeinschaft bestimmen. Sie bestimmen ihre Führung, kontrollieren sich durch alle Gremien selbst und verschwenden ihre Zeit in destruktiven Abwehrkämpfen gegen Kritiker dieses Systems. Bei dieser Gangart versteht es sich schon nahezu von selbst, dass kritische Muslime erst gar nicht als Mitglieder aufgenommen werden. Einer davon steht vor ihnen.
Das die Glaubensgemeinschaft überwiegend von Arabern dominiert wird ist eine Tatsache. Also von der kleinsten Gruppe. Schiiten sind genauso wenig vertreten wie Aleviten und befinden sich damit in bester Gesellschaft mit den mehrheitlich vorhandenen Türken.
Alle diese Gruppierungen haben sich in Organisationen und Vereinen organisiert und müssen zwangsweise mit der Glaubensgemeinschaft wegen derer Privilegien als anerkannte Religionsgemeinschaft und als Körperschaft öffentlichen Rechts kooperieren. Wie diese Zwangs- Kooperationen funktionieren, können wir uns als Demokraten nicht einmal ansatzweise vorstellen.
Da wäre zum Beispiel einmal Österreichs größte türkisch-islamische Vereinigung. ATIB (Türkisch-Islamische Union für kulturelle und soziale Zusammenarbeit in Österreich) hat seit kurzem ihren Sitz in einem modernen Gebäude in der Gudrunstraße, Wien-Favoriten. ATIB ist Dachverband von 59 Mitgliedsvereinen und hat eigenen Angaben zufolge über 75.000 Mitglieder. Die 60 in Österreich wirkenden ATIB-Vorbeter (Imame) kommen aus der Türkei und werden dort vom "Türkischen Präsidium für religiöse Angelegenheiten" (Diyanet) ausgebildet.
Harun Özdemirci, türkischer Botschaftsrat ist ATIB-Vorsitzender.
Obwohl Özdemirci Österreich für die rechtliche Anerkennung des Islams als Religionsgemeinschaft lobt, ist ATIB nicht in der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) vertreten. Erstens sei die Satzung der IGGiÖ "antidemokratisch": "Höchstens ein Drittel der Entscheidungsträger dürfen einer Nationalität angehören. Von 400.000 Muslimen in Österreich sind aber über 250.000 türkischer Abstammung, also mehr als die Hälfte! Die Entscheidungsträger in den Organen sind demnach nicht entsprechend der Größe der Gemeinden vertreten."
Laut Özdemirci ist nicht nur ATIB von der IGGiÖ ausgeschlossen. "Die IGGiÖ hat überhaupt Probleme mit der Vertretung der Muslime in Österreich! Auch andere Gemeinden sind in der IGGiÖ nicht vertreten." Es gibt in Österreich über 60.000 Aleviten und laut Josef Lanzl, Obmann des Islamischen Bildungs- und Kulturzentrums, etwa ebensoviel Schiiten. Beide Gruppierungen sind nicht in den Führungsgremien der IGGiÖ vertreten. Özdemirci betrachtet die Aleviten generell als Muslime: "Die Aleviten sind keine andere Religion, sondern haben eine andere Interpretation des Islam. Die Schiiten sind etwas anderes", meint er.
Weiters stört ATIB an der Satzung, dass der IGGiÖ-Präsident nicht direkt gewählt wird, sondern vom Schurarat. "Solange diese Struktur beibehalten wird, kandidieren wir nicht. Wir fordern eine demokratische Umwandlung der IGGiÖ-Verfassung!"
Die Islamische Föderation (Milli Gürüs) hat etwa 60.000 Mitglieder in Österreich und ist fundamentalistisch. Auch der derzeitige türkische Ministerpräsident ist seit 1979 Mitglied von Milli Gürüs.
In Österreich gibt es für 400.000 Muslime offiziell etwa 200 Gebetsräume und Moscheen. In Wirklichkeit dürften es mehr als doppelt so viele sein.
Die türkisch-islamische Union ist auch in anderen Ländern vertreten. In Deutschland trägt sie den Namen DITIB. Für die deutsche Islamexpertin Hildegard Becker repräsentiert DITIB "den vom türkischen Staat kontrollierten sunnitischen Islam (türkisch-islamische Synthese)." Bisher sei es Ziel der Religionsbehörde gewesen, "die ‚Auslandstürken' für das Türkentum zu erhalten und deren Loyalität zur Türkei zu fördern." Da die Imame in der Regel nur drei bis fünf Jahre im Land bleiben, können sie "kaum Deutsch und sind mit den Lebensumständen der Bürger hierzulande unzureichend vertraut."
Kritik an DITIBs "Versuch in Deutschland so viele Moscheen wie möglich zu errichten" kam kürzlich von der türkischstämmigen Soziologin Necla Kelek. Dies sei "kein Beitrag zur Integration, sondern der Versuch der Missionierung durch Steine." Kelek führt an, dass "Moscheen in der islamischen Tradition keine Sakralbauten sind, die ausschließlich zum Gebet genutzt werden, sondern soziale und politische Versammlungsorte. Ob eine Moschee gebaut werden kann, ist eine politische Frage. Ein Kriterium für die Genehmigung ist deshalb, ob sie der Integration dienen und dort die Gesetze eingehalten werden. So wie in vielen Moscheen in Deutschland der Islam praktiziert wird, haben sie sich zu einem Hindernis für die Integration gemacht und sich zu Keimzellen einer Gegengesellschaft entwickelt. Vor allem die größeren Moscheen in Deutschland entwickeln sich zu "Medinas", zu Zentren in dem wie in einer kleinen Stadt alle Bedürfnisse abgedeckt werden. So finden sich meist in unmittelbarer, oft in örtlicher Einheit, Koranschulen, HALAL - Lebensmittelläden, Reisebüros, Friseur, Beerdigungsinstitut, Restaurant, Teestuben etc. eben alles was ein Muslim braucht, der nichts mit der deutschen Gesellschaft zu tun haben will."
Auch die Geschlechtertrennung kritisiert Kelek: "Moscheen waren und sind Männerhäuser. Frauen sind meist nur in separaten Räumen geduldet. Eine demokratische Gesellschaft lebt aber davon, dass Männer und Frauen gemeinsam in der Öffentlichkeit Verantwortung tragen, gleiche Rechte haben und auch gleich behandelt werden." Was hier von Frau Kelek gesagt wird, kann im Verhältnis 1:1 auch auf Österreich übertragen werden. Mustafa Ceric, das muslimische Oberhaupt der bosnischen Muslime, beschwerte sich bereits bei der Konferenz "Islam in Europa" am 23.und 24.3.2007 in der Diplomatischen Akademie in Wien über die Arabisierung von Bosnien und Europa. Und darüber hinaus, dass der Religionsunterricht und die Freitagspredigten in von Saudiarabien finanzierten rund 100 Wahabitischen Moscheen in Bosnien in Arabisch und nicht in der Landessprache abgehalten werden. Die Imame und Prediger werden in Saudiarabien ausgebildet. Er ist dagegen ohne die Unterstützung der Politik machtlos. Dasselbe Problem haben der Kosovo, Serbien, Deutschland, Österreich, die anderen EU Länder, und sogar die Türkei. Zentrum der Wahabiten und radikalen Muslime in Europa ist Wien. Immer mehr wahabitisch finanzierte Moscheen sind in den letzten Jahren in Europa entstanden. Dieses Problem wird von den Politikern, der EU und auch von Journalisten unterschätzt und ignoriert, obwohl diese Entwicklung auch radikale Potentiale und terroristische Zentren fördert, die sich gegen das Europäische Gesellschaftssystem richten. Am 21.4.07 gab es über die Probleme mit den Wahabiten in Europa einen Artikel in der Tageszeitung Standard. Zur allgemeinen Information habe ich auch das aktuelle Interview in www.sicherheit-heute.de von Stefan Beig mit mir mitgebracht, das einen sehr guten Überblick über die Situation der Muslime und die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) gibt.
Es ist nicht so, dass die Glaubensgemeinschaft eine Dachorganisation wäre, dies könnte man dann noch einigermaßen ertragen. Die Glaubensgemeinschaft ist und bleibt ein ungeliebter "Partner", weil man sie in gewissen Dingen eben braucht, doch mehr auch schon nicht.
Und so gehen die unzähligen islamischen Organisationen ihre eigenen Wege, leisten teilweise eine sehr gute Arbeit für ihre Mitglieder, sind aber auch teilweise in sich abgeschottet und nicht durchschaubar. Niemand kennt ihre genaue Anzahl, niemand kennt ihre wirkliche Gesinnung. Und hier, meine sehr geehrten Damen und Herrn, liegt ein gewaltiges Gefahrenpotential.
Wir werden 2009 das 30-jährige Bestandsjubiläum der Glaubensgemeinschaft über uns ergehen lassen müssen. Zählt man die Vorgängerorganisation dazu, kommen wir auf fast 40 Jahre. Und nach diesen 40 Jahren schlagen wir uns heute mit Integrationsproblemen, Gettobildung, Parallelgesellschaften, Sprachdefiziten, Demokratieverweigerung u.v.a.m. herum. Ich glaube dass sich diese "Leistungsbilanz" wirklich nicht sehen lassen kann.
Leistungen welche sich aus einer Eventpolitik, siehe Imamekonferenzen, ableiten lassen könnten, sind leeres Gerede. Lippenbekenntnisse für Selbstverständlichkeiten. Schmückendes Beiwerk für politische Veranstaltungen, nach der Devise: Seht her, wir haben was in Österreich was ihr nicht habt!
Das berühmte Vorbild und Exportmodell "Islam in Österreich" wird ja so gerne beschworen. Und was hat man wirklich. Eine 0,5 Prozent Vertretung!
Als Resümee können wir folgendes zusammenfassen: Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich ist nicht die vom Gesetzgeber vorgesehene religiöse Vertretung aller Anhänger des Islam. Sie wir wie ein Verein geführt und nicht wie eine Körperschaft öffentlichen Rechts. Ihre Verfassung ist nach der Erkenntnis von Rechtsexperten undemokratisch, rechtswidrig und verfassungswidrig.
Niemand hat Einblick in die wirklichen Strukturen und hier möchte ich mit unseren Lösungsvorschlägen beginnen. Einer davon war ja schon das Erkennen der Schwachstellen im System
Dann weiter: Vor jeder Entscheidung hat eine umfangreiche Analyse der Gegebenheiten zu stehen. Wir wissen in Österreich alles so ungefähr. Das ist zuwenig für mittelfristige bis langfristige Entscheidungen. Die exakte Erfassung der Muslime nach Herkunftsländern, nach Glaubensrichtung, nach Ausbildung, Wohnverhältnissen, Demokratieverständnis, Integrationsbereitschaft u.s.w. muss erhoben werden. Ich sage jetzt nicht müsste, sondern dies alles und vielleicht noch einiges mehr "muss" erhoben werden.
Die Bundesländer haben die muslimischen Einrichtungen, also Moscheen, Organisationen, Vereine, dazu gehören auch die so genannten "getarnten", wie Sport, Kultur, Jugend und was weiß ich noch alles Vereine. In den Gemeinden weiß man am besten darüber Bescheid. Und dann beginnt die Knochenarbeit, welche eigentlich die Glaubensgemeinschaft in 40 Jahren locker schaffen hätte können, aber eben nicht gemacht hat.
Wieder muss es um Anzahl, Herkunft, Glaubensrichtung, Gesinnung, Kooperationsbereitschaft, Sprachkenntnisse usw. gehen. Hier wird die Spreu vom Weizen getrennt. Die, die sich verschließen sind dann ein Fall für die Staatssicherheit.
Die Jugend ist unsere Zukunft. Kein Schlagwort. Wie ich eingangs erwähnt habe, wird ab 2050 die Mehrheit der Jugendlichen z.B. in Wien muslimisch sein.
Lassen wir jetzt die Zügel schleifen und geben uns mit einschmeichelnden Lippenbekenntnissen einer nicht legitimen Führung der Muslime in Österreich zufrieden, dann werden die jetzt schon von anderen Ländern her bekannten Negativereignisse auch bei uns zum Alltag gehören. Und eines ist sicher: Diese Probleme werden dann nicht mehr lösbar sein.
Wir haben eine Chance. Oder mehrere. Der Wirtschaft geht es Gott sei Dank gut. Wir brauchen qualifizierte Arbeitskräfte. Facharbeiter z.B. sind stark gefragt. Und wir verfügen über ein ständig wachsendes Potential an jungen Muslimen, welches aber aus den verschiedensten Gründen nicht greifbar ist. Hauptursache sind wiederum Sprachprobleme und die damit verbundenen Ausbildungsmängel. Ich frage mich da schon: Muss das so sein? Jetzt im Jahr 2007. Über 40 Jahre nach dem Migrationsbeginn?
Nur der voll integrierte, in zufrieden stellender Beschäftigung Stehende wird seinen Glauben im Herzen tragen und nicht auf die Straße bringen wollen. Es geht nicht um den Islam. Es geht um die Muslime. Theologie ist eine Sache, Integration eine andere. Leider werden diese beiden Komponenten viel zu oft vermengt, Pauschalierungen daraus abgeleitet, Vorurteile geschürt. Wieder von der einen Seite, genauso wie von der anderen.
Ich möchte ihnen jetzt aus einem Artikel zitieren, welchen ich im Jahr 2003 geschrieben habe und welcher eine ungeahnte Verbreitung erreicht hat. So wird er z.B. in einem Buch von Prof. Wohlmeyer zitiert und als Vorwort in dem neuen Buch von Prof. Stiegnitz stehen, welches morgen hier in Wien vorgestellt wird.
"Europa wächst zusammen. Aber darin wächst auch, wie ein Geschwür, der Fundamentalismus der Muslime. Sie sind zum Teil jetzt schon wirtschaftlich in den Schatten gedrängt und die Ostöffnung mit der kommenden Wanderbewegung williger und billiger Arbeitskräfte wird noch einiges zur wirtschaftlichen und kulturellen Ausgrenzung beitragen. Die Ostarbeitskräfte werden sich weder im Aussehen noch in der Religion wesentlich von den Einheimischen unterscheiden. Sie werden gut bis sehr gut ausgebildet sein und meistens auch gut deutsch sprechen. Die jetzt schon bestehenden muslimischen Ghettos werden dann noch mehr Zulauf erhalten und darin wird der Fundamentalismus eine gewaltige Stärkung erfahren. Es ist fünf vor zwölf und um Mitternacht wird, wie zu Silvester, einiges explodieren. Verlassen wir den Schmusekurs und reden wir Klartext, auch wenn es ein wenig schmerzen sollte."
Das war 2003. Die Wanderbewegung der Ostarbeiter war dank gesetzlicher Regelungen nicht so gewaltig wie befürchtet, aber doch erheblich spürbar. Diese gesetzlichen Regelungen laufen aber demnächst aus. Und daneben wird schon von der Wirtschaft der Ruf nach ausländischen Facharbeitern unüberhörbar. Gerade noch könnten wir die Chance nützen, aber es ist schon später als fünf vor zwölf.
Unser Verein, das Islamische Informations- und Dokumentationszentrum Österreich, kurz IIDZ, befasst sich schon seit längerer Zeit mit diesen Problemen. Am 11. Mai dieses Jahres hatten wir dann die Gelegenheit mit der Staatssekretärin, Frau Christine Marek ein ausführliches Gespräch zu führen und wir haben diverse Vorschläge "Zur Integration der Muslime auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt und in der Wirtschaft" im Wirtschaftsministerium vorgelegt. Das können Sie übrigens auf unserer Homepage www.iidz.at nachlesen. Auszüge daraus will ich Ihnen aber nicht vorenthalten: Das IIDZ hat ein sehr gutes Verhältnis zu allen islamischen Organisationen. Ohne Einbindung aller Muslime wird die Integration scheitern. Zielsetzung ist es in der ersten Phase zuerst mit allen islamischen Organisationen an einem runden Tisch zu sitzen und gemeinsame Lösungen und Programme auszuarbeiten. Eine wichtige Arbeit wird darin bestehen, die Erwartungen des Staates zu übermitteln. Daraus entwickelt sich dann ein Diskussionsprozess um eine gemeinsame Ideensammlung zu finden. Dieser Prozess endet mit Handlungsempfehlungen um geeignete Integrationsmaßnahmen für die Muslime zu starten.
Nochmals: Alle Muslime müssen eingebunden werden in der Konzepterarbeitung. Das ist der beste Weg um sie zur verstärkten Mitarbeit und Integration zu bewegen. Man muss die Muslime kennen lernen und verstehen, um sie integrativ mit der gewachsenen Mehrheitsgesellschaft zu verbinden. Die Förderung des Vertrauens und das Nehmen der Ängste sind sehr wichtig für die Integration. Es wird jetzt an der Politik liegen und natürlich an der Bereitschaft der Muslime, hier gangbare Wege aufzumachen. Wir werden dabei gerne helfen.
Islam in Österreich war eigentlich das Thema. Lassen Sie mich aber bitte zum Abschluss noch in die Türkei abschweifen, zum Beitritt der Türkei in die EU. "Dafür oder dagegen" ist die oftmalige Frage, welche einem als Moslem hier im Land recht häufig gestellt wird. Dabei wird ein bedingungsloses "Ja" zum Beitritt nahezu schon automatisch erwartet. Bei vielen Muslimen hier in Österreich hört man das dann auch. Fragen Sie einmal in der Türkei. In weiten Teilen der Bevölkerung steht Skepsis im Vordergrund und das "Nein" überwiegt. Das kann selten religiöse Gründe haben, ebenso nationalistische oder beides zusammen. Überwiegend ist aber die Erkenntnis da, dass es erst ein wirtschaftliches Gleichgewicht geben müsste, um "kompatibel" zu sein. Es ist nicht der Glaube der trennt, sondern das Unvermögen, wirtschaftlich auf gleicher Augenhöhe zu stehen. Und wer die Türkei nicht nur von den Badestränden von Antalya, oder von den Metropolen Ankara und Istanbul her kennt, wird diese Bedenken nur zu gut verstehen. Aber was entgegnen wir einem hiesigen Beitrittsbefürworter, wenn er die Länder Bulgarien und Rumänien ins Treffen führt?
Ich persönlich glaube, dass die Türkei mit einer privilegierten Partnerschaft in den nächsten Jahren besser fahren würde, aber wie gesagt das ist meine persönliche Meinung, welche ich in türkischen Moscheen hier im Land lieber für mich behalte. Und noch ein diesmal türkisch - österreichisches Problem fällt mir ein. Es geht dabei um die rund 60.000 Aleviten in Österreich. Sie selbst bezeichnen sich nur zu etwa 50 % als Moslems und werden damit automatisch von der Glaubensgemeinschaft vereinnahmt, aber nicht vertreten. Sie haben deshalb eine eigene Glaubensgemeinschaft beantragt, werden diese aber nach österreichischem Recht über sehr lange Zeit nicht zuerkannt bekommen.
In der Türkei wiederum leben rund 25 Millionen Aleviten und werden von der sunnitischen Mehrheit ebenfalls nicht anerkannt, bevormundet und in ihren Rechten eingeschränkt. Hier wie dort haben sie mit Anerkennungsdefiziten zu kämpfen. Um es einmal sehr harmlos auszudrücken.
Die staatliche Anerkennung der Aleviten als eigenständige Glaubensgemeinschaft in Österreich würde sicher eine Stärkung für die Aleviten in der Türkei bedeuten. Ihre Benachteiligungen und Unterdrückungen müssten dann in die Verhandlungen mit der Türkei einfließen und wären ein wichtiger Beitrag für Menschenrechte und Religionsfreiheit. Wir werden auch diesbezüglich mit den zuständigen Ministerien Kontakt aufnehmen.
Ebenfalls auf unserem Programm und zwar an oberster Stelle, stehen die Frauenrechte. Unser Verein, das IIDZ, hat daher als wohl der einzige islamische Verein in Europa, seinen Vorstand mit einer 50 %igen Frauenquote etabliert. Wir fordern aber auch für die kommenden Verhandlungen und Aktionen einen ähnlich hohen Frauenanteil bei den Gesprächspartnern ein, wohl wissend, dass wir hier auf enorme Schwierigkeiten stoßen werden. Aber es geht nicht anders. Einfach nur zu jammern, über die Benachteiligung der Frauen in der islamischen Gesellschaft ist zu wenig. Auch hier müssen konkrete Maßnahmen vorgegeben werden. Müssen und nicht müssten!
Eigentlich hätte ich Ihnen noch jede Menge zu erzählen, aber da es nun einmal Zeitlimits gibt und eine Diskussion oft mehr zur Sache beitragen kann als der Vortrag, bleibt mir nur noch mich bei Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit zu bedanken, ebenso für die Einladung Danke!
Günther Ahmed Rusznak
Generalsekretär
Kontakt:
Islamisches Informations- und
Dokumentationszentrum Österreich
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Telefon 0699 / 884 658 04
rusznak@iidz.at