(Gastkommentar von Günther Ahmed Rusznak in der Wiener Zeitung)
Replik auf den Gastkommentar vom 14.02.2007 von Tarafa Baghajati:
Islam in Österreich: Ein Vorzeigemodell
Die Feinde sind ausgemacht. Linke Philozionisten, die rechtspopulistische FPÖ, christlich - fundamentalistische Journalisten und ein Sektierer mit einer Pseudoinstitution. Mit Ausnahme der FPÖ sind Einzelpersonen gemeint. Ich bin der Sektierer. Gut oder schlecht so. Wir werden es überleben. Ach ja da wäre noch der gerichtlich beeidete (!) Dolmetscher mit seinen "nachweislich" falschen Übersetzungen und verdrehten Zitaten.
Da erdreistet sich doch dieser "Sektierer" Fehlentwicklungen innerhalb der Islamischen
Glaubensgemeinschaft aufzuzeigen, zu hinterfragen, zu prüfen und zu veröffentlichen.
Klären wir einmal den Ausdruck "Sektierer". Verschiedene religiöse Gruppierungen veranstalten
Dialogrunden, Friedensveranstaltungen, Integrationstreffen u.s.w.
Ja, ich war mit anderen Muslimen auf solchen Veranstaltungen, habe dort auch manchmal geredet. Als Moslem, als Gast. Und mit uns waren fast jedes Mal, hochrangige Vertreter der Islamischen Glaubensgemeinschaft anwesend, unter ihnen nicht selten der Präsident der Glaubensgemeinschaft, Anas Schakfeh.
Niemand aus unserer Gruppierung, mich natürlich mit eingeschlossen, war, ist, wird, jemals Mitglied oder Anhänger einer dieser Gruppierungen sein. Hier werden wider besseres Wissen, Unwahrheiten also schlicht und einfach Lügen verbreitet. Aber ein bisschen Anpatzen und irgendetwas wird schon hängen bleiben, so die Devise von Hrn. Baghajati und auch noch einiger seiner Mitstreiter.
Handfeste Kritik muss man aushalten können und im besten Fall sollte man sie als Anlass für Verbesserungen nehmen. Aber Verleumdungen und Lügen sind da halt wesentlich einfacher und vor allem schneller zur Hand. Es wird versucht, jeden Kritiker in eine Schlammschlacht zu verwickeln, bei uns sicher ohne Erfolg.
Ein Hinweis lässt allerdings aufhorchen: "Wir sind noch am Anfang!" Wie bitte? Nach einer schon kulthaften Selbstbeweihräucherung, nun solche Worte? Bei der Integration, bei der Arbeit an der Basis, bei einem Europaverständnis, beim Begreifen von Demokratie und Pluralismus?
Zu lange und das sind nun schon weit über zwanzig Jahre, ist man nämlich den Weg des geringsten
Widerstandes gegangen. Was interreligiöser Dialog sein sollte, verkam zu "Schmusestunden".
Zumindest das gibt Hr. Baghajati zum Teil ja zu.
Das Abwehren von berechtigten Forderungen und Wünschen wurde mit der Zeit ohnehin zur Hauptaufgabe der
Glaubensgemeinschaft und der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen. Übrigens eine nirgends
registrierte Vereinigung von sage und schreibe fünf Leuten, welche sich allein berechtigt fühlen
, neben der Glaubensgemeinschaft "den Islam" in Österreich zu bestimmen und zu kontrollieren.
Größtenteils mit der Mentalität ihrer Herkunftsländer behaftet, führt und verwaltet eine kleine arabische Minderheit, und es ist diesen Leuten anscheinend unmöglich, demokratische Strukturen im inneren und äußeren Bereich der Glaubensgemeinschaft einzuführen. Jedem diesbezüglichen Vorstoß wird mit dem äußerst bewährten Schlachtruf "Islamophobie" begegnet und munter wird der Mehrheitsbevölkerung, aber auch ganz nebenbei den Muslimen in diesem Land, Sand in die Augen gestreut.
Frage: Wie viel an politischer Partizipation steht der Interesselosigkeit der Mehrheit der
Muslime am politischen, aber natürlich auch am gesellschaftlichen Leben in Österreich
gegenüber?
Oder wie definiert oder erkennt man "österreichische Muslime"?
An ihren mangelhaften deutschen Sprachkenntnissen, an ihrer mangelhaften Einfühlsamkeit in
österreichische (europäische) Werte und im Alltagsleben?
Oder wenn sie in getrennten (!) Bussen (jeweils Männlein und Weiblein) nach Wien in die
Stadthalle gekarrt werden um bei einem Koranrezitationswettbewerb dabei zu sein. Frauen und
Männer natürlich wieder getrennt sitzend. Übrigens so an die 10.000 Personen. Aber vielleicht
wollten sie nur den jetzigen Bundeskanzler sehen, der bei dieser Veranstaltung
"österreichischer Muslime", als Redner sicher nicht von der Gleichberechtigung der
muslimischen Frauen gesprochen haben dürfte.
Und noch eine Frage: Wofür sollte Österreich beneidet werden?
Für die schon bestehenden und die gerade erst entstehenden Ghettos und Parallelgesellschaft?
Für eine Integrationsdebatte welche mit mindestens zwanzigjähriger Verspätung
losbricht? Für Ausbildungs- und Sprachdefizite, welche u.a. auch für eine überproportionale
Arbeitslosigkeit, speziell unter Jugendlichen mit Migrationshintergrund sorgt.
Für IGGiÖ - Alleinvertreter von fast 400.000 Muslimen, welchen eine "demokratische"
Legitimation von nicht einmal 1500 Wählern ausreicht? Für Anas Schakfeh, den eben diese
ca. 0,5 % an Wählern, für die Ausübung seines Präsidentenamtes reichen? Für Imame und
Religionslehrer, welche nicht Deutsch sprechen, was vom Präsidenten der IGGiÖ mit einem
"Na und?" kommentiert wird? Für Religionslehrer ohne jede Qualifikationen und ohne jede
pädagogische Befähigung in ihrem Beruf? Für rund 1400 muslimische Insassen in
österreichischen Gefängnissen? Bei rund 8000 Gesamtinhaftierten.
Für jene "integrierten" Muslime, welche die Redaktionsräume der oberösterreichschen
Rundschau vor etwa einem Jahr an zwei Standorten stürmten und die Redakteure bedrohten,
um eine ihnen nicht genehme Berichterstattung zu unterbinden? Darunter in der Linzer
Redaktion fünf (!) Imame.
Für den "Starprediger" der Islamischen Glaubensgemeinschaft, für seine Exzellenz,
Scheich, Gelehrten, Imam und Prediger (Eigendefinition auf seiner Homepage) Adnan Ibrahim?
Für dessen Aussagen, welche übrigens laut eigener Behauptung beim Interview mit der
Wiener Zeitung alle auf der Scharia beruhen? Zitat: "Die Flüche werden den Papst
verfolgen " und dieser sei, "ein noch viel größerer Narr als seine Vorgänger"?
Ebenso möchte dieser "Gelehrte", der nicht einmal einen anerkannten Hochschulabschluss
hat, jedem Moslem, auch den österreichischen, es zur Pflicht machen, gegen die
"schwache, verräterische Haltung der arabischen Führer zu rebellieren".
Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich, steht geschlossen hinter diesem
unliebsamen Zeitgenossen und denkt nicht einmal im Traum an eine Ablöse oder zumindest
an eine zeitweilige Suspendierung.
Es gibt noch viele andere Vorkommnisse, welche von der Islamischen Glaubengemeinschaft in
Österreich vertuscht und erfolgreich unterdrückt werden.
Ich fürchte, der mir zur Verfügung stehende Platz wird da wohl nicht ausreichen, wenn ich
weiter schreibe. Aber keine Angst, die Verantwortlichen und dazu zähle ich auch Herrn
Baghajati, wissen sehr wohl über alle diese Missstände genauestens Bescheid.
Doch statt die Ärmeln aufzukrempeln und konstruktive, sowie zweckmäßige Integrationsarbeit
für die Muslime zu leisten, liefern sie sich viel lieber destruktive Abwehrkämpfe mit den
Kritikern.
Wir, die so bezeichneten Linken, Rechten, Juden, Christen, Zionisten, Sektierer u.s.w. sind bei all den unterschiedlichen Auffassungen aber doch in einem einig: Auf das tiefe Niveau von Hrn. Baghajati werden wir uns sicher nicht herablassen.
Günther Rusznak
Generalsekretär
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