"Grausame Eingriffe sind unislamisch"
Pressekonferenz zum Thema "Menschenrechte, Frauenrechte, Integration im Islam"
Jedes Jahr sind in Österreich rund 200 Frauen und Mädchen von Genitalverstümmelungen (FGM, female genital mutilation) betroffen. Dabei gibt es verschiedene Formen. Beginnend mit der Abtrennung der Vorhaut der Klitoris bis hin zur Entfernung ganzer Teile der äußeren Genitalien. Auf die Existenz dieser grausamen Praktiken macht der heutig internationale Tag „Null Toleranz gegenüber weiblicher Genitalverstümmelung" aufmerksam. Günther Ahmed Rusznak, Generalsekretär des Islamischen Informations- und Dokumentationszentrums Österreich (IIDZ), zur Anzahl an Betroffenen:
„Nach der Dunkelziffer gibt es in Österreich rund 8.000. In Europa sind es 500.000. Die WHO schätzt, dass es weltweit 130 Millionen sind. Das sind fürchterliche Schicksale - davon 8.000 in Österreich. Wir sprechen von einer Dunkelziffer. Es gibt eine Meldepflicht, aber nur wenige Meldungen erfolgen."
Die Verstümmelung der äußeren weiblichen Genitalien stellt eine irreparable Schädigung der sexuellen funktionellen Einheit von Frauen dar. Außerdem schätzt die Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass rund zehn Prozent der Betroffenen an akuten Komplikationen sterben - 25 Prozent an langfristigen. Diese Eingriffe sind in vielen afrikanischen Ländern, im Irak oder auch in Indonesien Tradition. Sie werden aber immer wieder auch im Zusammenhang mit dem Islam genannt. Ein großes Missverständnis, wie Rusznak erklärt.
„Dieses Verbrechen hat mit Islam nichts zu tun. Die Grundlagen des Islams sind frei von Hinweisen, Andeutungen oder Vorschriften zu solcher Praxis. Ganz in Gegenteil wird die körperliche Unversehrtheit und Freiheit hochgehalten und verlangt."
In den Ländern mit Verstümmelungstradition werden die weiblichen Genitalien als schmutzig und hässlich betrachtet. Unbeschnittene Frauen gelten als „unrein". Migranten halten zum Teil an der Praxis der Genitalverstümmelung fest. In Österreich ist sie allerdings strafbar. Im Jahr 2001 wurde eine eigene klare Regelung geschaffen. Seit 2006 besteht auch eine Meldepflicht für Ärzte. Maria Rauch-Kallat, Bundesleiterin der ÖVP-Frauen, will eine verbesserte Durchsetzung der Pflicht erreichen.
„Allerdings wird die Anzeigepflicht nicht gehandhabt, daher mein Vorschlag: Ich habe einen Brief an den Gesundheitsminister geschrieben. Im nächsten Mutter-Kind-Pass soll ein Hinweis stehen. Damit die Ärzte darauf aufmerksam gemacht werden, und die Eltern den Hinweis lesen."
Gegen traditionsbedingte Gewalt setzen das IIDZ und NGOs auf Spracherwerb und Bildung. Beides ermöglicht es den Frauen sich mitzuteilen und auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Rauch-Kallat ist auch für verstärkte Information über das Thema an den Schulen.
„Wenn die österreichische Kinder das Thema verstehen, können sie es auch wahrnehmen. Wir müssen eine gesamte Generation sensibilisieren, damit auch geholfen werden kann."
Die Pressekonferenz im Originalton: