Schon bald wird niemand mehr mit uns reden wollen!


Eines ist sicher, wir lernen schnell! Aus der Unsicherheit, aus falsch verstandener Toleranz, aus der Gutgläubigkeit oder ganz einfach aus der Unwissenheit der anderen. Der Andersgläubigen, der Nichtmuslime. Worte wie "Rassismus", wie "Islamophobie", "Beleidigung der Religion oder des Propheten", der Ruf nach Religionsfreiheit und die Behauptung, dass dieses oder jenes eben so sein müsste und nicht geändert werden könne, haben sie, die Dialogpartner, die Mitbürger, verstummen lassen. Wir, die Muslime, konnten dann fordern, verlangen, erpressen und erzwingen. Die anderen waren ja verstummt. Um Fassung ringend, haben sie dann aber doch, verspätet und eingeschüchtert, (meistens) nachgegeben.

Dem Papst haben wir's ja so gezeigt. Ein historisches Zitat und schon war die Hölle los. Beleidigung des Islam und des Propheten, Irritationen, Islamophobie und noch jede Menge mehr wurde da hinausposaunt. Proteste, Fahnenverbrennungen, Verletzte und höchstwahrscheinlich auch eine Tote. Na das hat gesessen!
So wild wie beim "Karikaturenstreit" war's ja sicher nicht, aber immerhin. Da traut sich dann noch so ein einfältiger englischer Abgeordneter, das Entblößen des Gesichts seiner weiblichen Gesprächspartner zu verlangen, na ja, er hat darum gebeten. Er wollte doch tatsächlich mit den ehrbaren Frauen von Angesicht zu Angesicht reden. Sich als Abgeordneter ihre Wünsche und Probleme anhören. Ihnen dabei ins "nackte" Gesicht schauen anstatt sich mit einem kleinen Sehschlitz zu begnügen. Keine Toten, keine Verletzten. Nur seelisch Verletzte und Gekränkte. Massenhaft aber Proteste und Buhrufe.
In Australien sagt ein Imam dem ungläubigen, unwerten, weiblichen Publikum seine Meinung über ihre verwerfliche Nacktheit (rohes Fleisch, welches zu Vergewaltigungen verführt). Leider waren da seine australischen Mitbrüder noch nicht so fortschrittlich wie unsere europäischen und haben ihm ein Redeverbot verpasst. Am anderen Ende der Welt wird man wohl noch lernen müssen.

Damit aber zurück nach Österreich, ins Wiener Rathaus. Ein schamloser FPÖ - Mandatar (zählt ohnehin zur Spezies der natürlichen Feinde) fordert für Moschee - Neu- und Umbauten die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen. Fordert für die angeschlossenen Geschäfte die Einhaltung der Gewerbeordnung. Na der traut sich was! Aber nicht mit uns! Da spricht sogar unser Obermoslem, der Präsident der "Islamischen Glaubensgemeinschaft", Anas Schakfeh, bewährte Worte wie "Rassismus" aus, sieht einen Schaden für Österreich in der Welt auf uns zukommen. Jetzt wollen wir doch einmal sehen, ob sich noch einer traut?
Und irgendwie glaubt man es nicht. Doch, tatsächlich! Besoffene, dänische Jugendliche, Mitglieder einer sehr rechten Rechtspartei, veranstalten einen Zeichenwettbewerb. Ziel: Natürlich unser Prophet in einer vernichtenden Darstellung. Wieder: Aufruf zum Boykott dänischer Waren, Proteste, Buhrufe. Zurzeit noch keine Toten und Verletzten. Aber das kann sich schnell ändern. Der Teebeutel wurde diesmal zum zweiten Mal aufgegossen. Der Karikaturenstreit war ja leider schon. An den erinnern wir uns aber mit großer Genugtuung.
(Hinweis: Achtung Ironie!)

Jetzt wird man wieder einmal mir, dem Autor dieser Zeilen, Islamfeindlichkeit samt allem Dazugehörigen, vorwerfen. Nein, liebe Brüder und Schwestern im Glauben und nochmals nein! Es ist die ernste Sorge um unseren Ruf. Wir, die wir den friedlichen Islam, den kompatiblen Islam hinsichtlich der europäischen Werte vertreten, können und dürfen solche Taktiken und Anmaßungen nicht dulden. Sicher ist es vordergründig vorteilhaft, wenn der Andersgläubige mit einfachsten Mittel mundtot zu machen ist und man dann alles Mögliche durchsetzen kann. Aber das sind Pyrrhussiege, zu kurzlebig und letztendlich viel zu teuer erkauft oder besser gesagt, erstritten.

Wenn wir Ungerechtigkeiten uns gegenüber ausmachen und die gibt es sicher mehr als genug, dann müssen wir uns auf den Weg der Rechtsstaatlichkeit machen und nicht versuchen diese zu unterlaufen. Und dabei müssen wir peinlichst darauf achten, keine wie immer gearteten Eigeninteressen einfließen zu lassen. Das klassische Beispiel dazu wäre ja die o.a. Klage über Unzulänglichkeiten bei Moscheebauten in Wien. Da liegt eine Anschuldigung vor und die muss geprüft werden. Irgendeine Magistratsabteilung setzt sich in Bewegung und findet oder findet nichts. Aus und Ende! So einfach wäre das. Den Herrn Populisten aus der FPÖ - Riege wäre mit kurzem Handeln der Wind aus den Segeln genommen. Hier aber über die Rassismusschiene zu fahren, entbehrt ja nicht einer gewissen (Tragik-)Komik, welche nur mehr von der Sorge um das Image Österreichs in der Welt übertroffen wird.

Hätte unser Obermuslim, Anas Schakfeh, nur einen Bruchteil seiner Energien für die Trauner Moschee eingesetzt, dann wären hunderte Muslime nicht um ihre Ersparnisse und um ihr Gebetshaus gekommen. Damals, 2001, hatte er sich noch hinter eine absolut einseitig interpretierte Bauordnung gestellt und so den Abbruch der Gebetsstätte mitzuverantworten gehabt. Hätte er damals von Rassismus gesprochen, wäre das mit Recht geschehen. Es ist nämlich in erster Linie gegen "die Türken" gegangen, welche aus dem Ortszentrum zu vertreiben waren. Aber das ist wohl doch der Schnee vom vergangenen Jahr oder besser gesagt vom Jahr 2001 und sollte nun endgültig vom Tisch sein. Was bleibt ist lediglich ein schaler Geschmack im Mund.
Kehren wir daher zurück zum Jetzt und zum Heute.

Dem Titel dieses Artikels wird man wohl entgegenhalten: Es wird ja mit uns Muslimen geredet, mehr den je. Der Dialog blüht und gedeiht! Christen mit Muslimen, Juden mit Muslimen, Parteien und Organisationen mit Muslimen und so weiter und so fort. Ja richtig, aber was für ein Dialog. Schon Anfang des Jahres 2003 habe ich mir meine Gedanken über die Art und die Auswirkungen dieses "seltsamen Dialogs" gemacht. Der Artikel ist im Internet erschienen und hat mir viel an Zustimmung gebracht. Abgesehen von einigen "Steinzeitislamisten" haben mir sowohl Muslime als auch Nichtmuslime Recht gegeben.
Nur leider wie das so ist, haben geschriebene Worte ein gewisses "Ablaufdatum", d.h. sie geraten in Vergessenheit. Zu Recht oder zu Unrecht. Bei diesem Artikel war es dann aber doch anders. Nicht nur dass er immer und immer wieder zitiert wurde, mit den neuen EU - Beitrittsländern wurde er aktueller den je und die Art des Dialogs hatte sich in bald mehr als vier Jahren um keinen Deut geändert, passte er perfekt in das Buch (Seite 109) von Hrn. Heinrich Wohlmeyer, Gen. Dir. a.d., Hon. Prof. Dipl. Ing. agr. Dr.. jur. Dipl. in Law. Der Titel des 2006 erschienen Buches lautet "Globales Schafe scheren - gegen die Politik des Niedergangs" und muss, nicht wegen meines darin enthaltenen Artikels, wirklich empfohlen werden. Also wenn Sie diesen Artikel im Buch oder hier lesen wollen, bitte schön.
Damit kann ich auch meine Sorge über zukünftige, mangelnde Gesprächsbereitschaft begründen. Entweder es bleibt beim seichten und "seltsamen" Dialog, oder wir werden eben keine ernsthaften Gesprächspartner mehr finden. Keine guten Aussichten also.

Also nochmals: Distanz zu jeder Selbstüberschätzung, Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit in allen Bereichen und ein uneingeschränktes Bekenntnis zu Demokratie und Pluralismus. Denn nur so werden wir auf gleicher Augenhöhe, auch als Minderheit, mit den anderen stehen und reden können.

Traun, 31.10.2006
Günther Ahmed Rusznak

rusznak@iidz.at