Der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft hat den Menschen in diesem Land, der Politik und den Medien eine 'heile Welt' vorgegaukelt. Jetzt ist es so weit. Der Rücktritt ist bekannt gegeben, der Termin auch. Anas Schakfeh, das Aushängeschild der Islamischen Glaubensgemeinschaft, geht. Zumindest sagt er das im Moment. War er ein guter Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft? Nein! Er hat den Menschen in diesem Land, der Politik und den Medien eine 'heile Welt' vorgegaukelt, hat eine österreichische Sonderrolle für ihm nahe stehende Muslime erfunden und hat sich damit das Wohlwollen der Mächtigen in der Alpenrepublik erschlichen.
Die Realität schaut nämlich ganz anders aus. Den 'Kalifen von Wien' nannte ihn einmal eine Wochenzeitschrift und traf dabei den Nagel auf den Kopf. Das Wort 'Dialog' wurde bis zum Erbrechen strapaziert, jedoch hatte es nur Gültigkeit für wohlmeinende Gutmenschen, welche nicht hinterfragen und schon gar nicht kritisieren. Viele Jahre seiner Amtszeit gab es ausschließlich diese eine Kategorie von 'dialogwürdigen' Menschen.
Aber wie das Leben so spielt, kamen nach und nach auch Kritiker zu Wort. Selbst die konstruktivste Kritik war für den gebürtigen Syrer ein Gräuel und hatte den sofortigen Ausschluss aus dem Kreis seiner Gesprächspartner zur Folge. Das urösterreichische 'Nicht einmal ignorieren' wurde zu einer wahren Lebensphilosophie des Anas Schakfeh.
Unhaltbare Zustände
Es gab und gibt große Probleme mit der Integration muslimischer
Mitbürger, es gab und gibt Probleme mit terroristischen Aktivitäten, mit
den von der Islamischen Glaubensgemeinschaft bestellten
Religionslehrern, den Imamen, mit dem Umfeld des Präsidenten, in dem
sich immer wieder verdächtige Personen befanden und befinden. Unhaltbare
Zustände in Institutionen der Glaubensgemeinschaft, eine rechts- und
verfassungswidrige Verfassung, auf persönliche Interessen weniger
zugeschnittene Strukturen und dazu noch eine Minilegitimation durch
interne Wahlen, zu denen weniger als ein (!) Prozent der Muslime in
Österreich zugelassen wurde.
Wenn ihm diese Zustände vorgehalten wurden, waren sie für Schakfeh
entweder nicht nachvollziehbar, oder er bezeichnete sie als interne
Angelegenheiten.
In den letzten beiden Jahren wurden die Stimmen der Kritiker immer
lauter und verbreiteter. Diffamierungen und Totschweigen der
Kontrahenten half plötzlich nichts mehr. Die Wahrheit um die unhaltbaren
Zustände innerhalb und außerhalb der Glaubensgemeinschaft, die von
Schakfeh selbst nur als Verein dargestellt wird, fand immer häufiger den
Weg in die Öffentlichkeit. Das 'Kalifat' suchte und fand bei der Politik
eine letzte Bastion einer nicht hinterfragten Bewunderung. Einladungen,
Events, Runde Tische und vieles andere mehr wurden organisiert und
medial aufbereitet.
Kommt etwas Besseres nach?
Doch der Lack war bereits zerkratzt und matt geworden. Und so matt haben
die Muslime in diesem Land und eine mäßig interessierte
Mehrheitsbevölkerung den Präsidenten der Glaubensgemeinschaft immer
öfter kennen gelernt. Wenn überhaupt, denn seine Auftritte, mit Ausnahme
der politischen, wurden weniger und weniger.
Und jetzt stellt sich die Frage nach dem Nachfolger und der Legitimation
seiner Bestellung. Kommt etwas Besseres nach oder hat das alte
Sprichwort doch Recht, in dem das Gegenteil behauptet wird?
Günther Ahmed Rusznak
Generalsekretär
Islamisches Informations- und
Dokumentationszentrum Österreich
IIDZ - Austria
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