Terror - Netz in Österreich?
Von Kaffeesudlesern und Teetrinkern.
Und von einer Koranschule in Linz.


Also schön langsam bekommen wir Gewissheit. Ein Anschlag ist auch in Österreich möglich. Und: Wir nehmen die Botschaft ernst! Und: Ermittlungen in allen Richtungen! So die Schlagzeilen und deren Untertitel.

Wir sprechen von dem Drohvideo einer radikal-islamischen Website, welches da so unverschämt auf Österreich zugekommen ist. Gerade Österreich muss neben der Bundesrepublik der Adressat sein. Haben wir das verdient?

Von Empörung bis hin zur Ratlosigkeit reicht die Palette der angebotenen Emotionen. Doch schaut man ein wenig hinter die Kulissen, oder besser gesagt analysiert bzw. hinterfragt man, dann kommen noch Erstaunen, Verwunderung und im Extremfall der adaptierte Ausruf: "Die spinnen, die Österreicher!" hervor. Wer Asterix & Co. kennt, wird auch noch die Furcht der Österreicher verstehen können, "dass ihnen der (Terror-) Himmel auf den Kopf fallen könnte!"

Aber begeben wir uns noch rasch auf ein bodenständiges, urösterreichisches Terrain, in die Welt der Operette: "Glücklich ist wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist!" Damit wäre dann das ganze Repertoire abgedeckt und die weiteren Aktivitäten oder besser gesagt die Nichtaktivitäten vorgegeben.
Die Staatssicherheit ahnungslos und damit hilflos. Die Bürger, die Mehrheitsbevölkerung, leicht beunruhigt, ahnungslos und hilflos. Der Großteil der muslimischen Population in Österreich ebenfalls. Die offiziellen Vertreter der letztgenannten Gruppe, vorerst einmal empört, schließlich erwartet man das ja von ihnen, dann aber auch, wie immer, ahnungslos, hilflos.

Die Frage drängt sich da schon auf, wer da etwas wissen könnte oder wissen müsste. "Die Spuren (des Videos und seiner Macher) führen auch nach Österreich", heißt es da nebulos. Na zumindest etwas! Doch eins ist klar. Nicht die Rechtsextremen, nicht die Juden, weder islamophobe Gruppierungen, noch fundamentale Andersgläubige oder Sektierer stecken hinter der Drohbotschaft. Diese Wahnsinnigen müssen wir schon unter unseren eigenen (muslimischen) Leuten suchen. Etwa gar in Österreich? Dann wird es aber schwierig. Rund 400.000 Muslime gibt es im Land. Die Nadel im sprichwörtlichen Heuhaufen wäre ein anständiger Balken dagegen. Nur ist das wirklich so?

Vor einiger Zeit sprach "unser" Präsident Anas Schakfeh von maximal einem Prozent unter den Muslimen mit radikalen Ansichten. Nach Adam Riese also 4.000 Stück. Da dies aber doch recht viel ist, hat er dem österreichischen Zeitgeist entsprechend, die Zahl auf 300 reduziert und hinzugefügt: Radikal aber nicht kriminell. Na gut. Die Staatssicherheit observiert nach eigenen Angaben 50 Verdächtige. Und redet auch von rund 300 Radikalen. Wer da von wem "abgeschrieben" hat, wollen wir nicht weiter untersuchen.

Die Anzahl von als radikal eingestuften Moscheen wird mit "unter fünf" angegeben und sofort mit "vier" präzisiert. In Wien und Graz. Wenn sie könnten, würden jetzt die Hühner zum Lachen anfangen, nicht nur wegen dieser Zahlenspielereien, sondern auch wegen des daraus resultierenden "exakten" Ergebnisses.

Was dann schon zu etwas weniger "Exaktheit" führt, ist die Frage: Wie zählt man eigentlich Moscheen, was zählt dazu, was nicht? Eine große in Wien mit Minarett, eine kleine in Telfs in Tirol mit Stauchminarett, eine geplante in Bad Vöslau mit zwei Minaretten und unzählige eben ohne Minarett. Zählt man auch die zahllosen Untergrundmoscheen dazu, welche sich als Kultur-, Jugend-, Sport- und was weiß ich noch was alles- Vereine tarnen, in Wirklichkeit aber "Moscheen" sind? Oder solche welche nicht einmal als Vereine registriert sind und sich so jeglicher, ohnedies kaum wahrnehmbarer Kontrolle entziehen?

Na Herr Alleinvertreter aller Muslime in diesem Land! Wie viele? Das Schweigen auf diese Frage wird erdrückend sein. Herr Schakfeh oder noch schlechter seine Mediensprecherin, werden stumm bleiben müssen. Null - Ahnung nennt man das in "Neusprech". Genauso wie man seltsamerweise die eingetragenen, wahlberechtigten Mitgliederzahlen nicht nennen kann. "Einige Tausend" heißt es da recht verlogen, wohl wissend dass man damit einer als dumm angesehenen Öffentlichkeit, die wahre Mickrigkeit verheimlichen kann oder konnte. Und auf diese Alleinvertreter = Alleinansprechpartner verlässt sich das offizielle Österreich! Genauso als ob zwei Blinde den Sehenden die Welt erklären wollten. Nicht mehr und nicht weniger.

Jede Firma, jede Institution, jeder Anbieter wird, zumindest im Geschäftsleben, an der Qualität ihrer Produkte oder Dienstleistungen gemessen. Erfolg oder Misserfolg hängen davon ab. Lediglich der "geschützte" Bereich einer Religionsgemeinschaft ist davon ausgenommen. Hier dürfen Ramsch und Schund als Hightech - Produkte verkauft werden, ohne jeden Garantieanspruch oder Produkthaftung. Das Produkt ist nämlich faul und fehlerhaft, die "Produzenten" arrogant und unqualifiziert. Die Frage nach den Überlebenschancen muss gestellt werden, aber darf man das überhaupt?

In Linz schwirrt dieser Tage das Gerücht über eine neue (die erste?) Koranschule in Österreich herum. Wer diesen Pofel auch immer in die Welt gesetzt hat, er weiß genauso wenig wie die Staatssicherheit und die Glaubensgemeinschaft. Fakt ist: Aus einem alten schäbigen Haus zieht eine Moschee in ein anderes altes schäbiges Haus um. Gesammelt wird dafür schon eifrig von und bei den Brüdern und Schwestern im Glauben. Aber nicht das Verlassen alter Strukturen steht im Mittelpunkt, lediglich eine Umsiedelung, ein Weiterwursteln in alter Tradition ist geplant. Zumindest wird diese Moschee als eine solche aufscheinen, von Transparenz, von Öffnung hin zur Mehrheitsbevölkerung, wird man wieder nichts merken. Alles beim Alten und wieder eine Chance vertan. Verzeihen Sie wenn ich hinzufüge: Zum Kotzen! Aber das ist mir ein Herzensbedürfnis.

Ich fühle mich einem so großartigem Glauben zugehörig und erlebe dabei immer wieder eine enorme Rückständigkeit im Gleichschritt mit überholten Traditionen. Das tut weh, wirklich weh. Wir Muslime schreiben das Jahr 1428 in unserem Kalender und manchmal kommt es mir so vor, als ob es eine Jahreszahl aus der christlichen Zeitrechnung wäre. Wir hinken nach, wir "hadschen" (ein Ausdruck der sich von der Pilgerfahrt, der Hadsch, ableitet) hinterher. Und keiner aus unserer Führungsriege (nennen wir sie halt einmal so), ist imstande, Reformen und Neuerungen auch nur an zu denken.

Belassen wir es für heute dabei, "morgen ist auch noch ein Tag" - wenn, ja wenn wir dann nicht "Vom Winde verweht" sein werden. Zumindest aber arg gebeutelt und/oder zerrupft werden wir sicher ausschauen.
Eigentlich wollte ich sarkastisch - lustig schreiben, nun bin ich leider nur noch traurig - pessimistisch. So rasch können sich eben Gefühle ändern.

Günther Ahmed Rusznak
Generalsekretär

Kontakt:
0699 / 884 658 04
rusznak@iidz.at