Eine Demaskierung kann so oder so ausgehen. Überraschend, enttäuschend, erschreckend.
Leider muss man bei der selbst inszenierten Demaskierung des Präsidenten der Islamischen
Glaubensgemeinschaft, Anas Schakfeh, noch das Wort "erschütternd" hinzufügen.
Eine Analyse von Günther A. Rusznak.
Nach dem 11. September sind wir verstärkt und selbstbewusst losgezogen. Die Menschen sollten
wissen, was der Islam wirklich ist. Welche Werte er vertritt. Vorurteile, Vorverurteilungen,
Unterstellungen und noch vieles mehr sollten ausgeräumt werden. Mussten ausgeräumt werden.
Doch jede Welle der Gewalt welche mit dem Islam mittelbar oder unmittelbar zu tun hatte,
erschwerte unsere Argumentationen.
Friedvoll sollte der Glaube sein, gerecht und menschlich.
Viele, viel zu viele haben uns bald nicht mehr geglaubt, nach London, nach Madrid und jetzt
schon wieder London. Einzeltäter, Verbrecher haben wir sie genannt, welche den Glauben für ihre
Zwecke missbrauchen. Aber nach jedem Anschlag, nach jedem Vorfall, nach jeder Krise sind wir
bestenfalls zu belächelten Fantasten geworden.
Ja, ich gehöre auch dazu und stehe nach wie vor zu meinem Glauben, zu meiner Überzeugung,
dass es den friedvollen, den friedliebenden Islam gibt und immer geben muss.
Auch Herr Schakfeh, seines Zeichens Präsident der "Islamischen Glaubensgemeinschaft in
Österreich" und damit der Alleinvertreter aller (!) Muslime in diesem Land, hat dies
getan. Doch wie sich jetzt herausstellt: Leider nur Worte, nichts als Worte.
Denn wer immer ihm bis jetzt geglaubt hat, wird sich nach seinen letzten Äußerungen zum
Konflikt Israel - Palästinenser - Hisbollah eines besseren belehren lassen müssen.
Hätte er in bester Bertha von Suttner - Manier gerufen: "Die Waffen nieder!" und das nach
Möglichkeit gemeinsam mit Dr. Ariel Muzicant von der Israelischen Kultusgemeinde, hätte er
sicher sein Gesicht wahren und Anerkennung finden können. So aber bezieht er eindeutig
Stellung. Natürlich pro Hisbollah, natürlich pro Palästinenser, unterstützt und verteidigt
er ihre abscheulichen Handlungen. Zeigt mit erregt, zitternden Zeigefinger auf die Missetaten
der Juden. Er wird jede Menge Applaus für seine Äußerungen bekommen. Von den Muslimen.
Natürlich! Schließlich sind wir ja eine Gemeinschaft, weltweit. Alles Brüder und Schwestern?
Doch dieser vermeintliche Aspekt sollte uns nicht zu einseitigen Kriegsbefürwortern machen,
ganz im Gegenteil. Und wenn wir hundert Mal eine Gemeinschaft sind, aber auch das zählt ja
schon wieder zu den muslimischen Vermessenheiten welche einem Wunschdenken gleichkommen,
müssen wir die Schandtaten in den eigenen Reihen erkennen und anprangern dürfen.
Nicht Israel hat diesmal den Streit vom Zaun gebrochen, das waren schon unsere "Brüder". Und wie man auf einen leiblichen Bruder ermahnend einzuwirken versucht wenn er Unrecht tut, so sollte es auch bei Glaubensbrüdern sein. Nicht sie noch zu unterstützen, zu ermuntern. Mit dem Hinweis an die Adresse der kampfesfreudigen "Brüder", dass der Islam eine Religion des Friedens sei, wäre schon der erste Schritt getan. Die Verurteilung des wahllosen Beschusses von Zivilisten in israelischen Städten der nächste. Ächtung von Gewalt an sich, von Selbstmordattentäter bis hin zur Anprangerung von undemokratischen, islamischen Regierungen, mit aller Kraft und Vehemenz und so weiter und so fort. Dann könnte die Welt wieder etwas mehr an einen friedliebenden Islam glauben. Und gleichzeitig wäre dies ein geeigneter "Output" der österreichisch, islamischen Gesellschaft an die Welt.
Aber so geht es halt um ein paar "Schulterklopfer" aus den eigenen Reihen und um Zustimmung einiger (Geld gebender) islamischen Länder und deren Botschaften und Konsulate, nach der Devise: Wir halten zusammen, ganz egal was passiert. Und aus dieser Gewissheit heraus, bilden sich dann wie Krebsgeschwüre, radikale - fundamentale Gruppierungen, denen keine Schranken mehr gesetzt sind. Hier, heute, mitten unter uns, überall.
Wer Israel kennt, weiß um die Winzigkeit dieses Landes. Ein Drittel von Österreich, sechs Millionen Einwohner. Weg mit ihnen, ab ins Meer! Und was dann, meine lieben Brüder und Schwestern im Glauben? So wie im Gazastreifen? Aufbau mit brüderlicher Hilfe von Außen? Leider, weder Aufbau noch brüderliche, wirtschaftliche Hilfe war und ist da. Die Kalaschnikows haben geglüht nach der Unabhängigkeit, zuerst waren es Freudenschüsse, aber dann? Libanon? Die Israelis ziehen sich zurück. Sieg, Triumph! Aufbau? Zumindest eine brüderliche Hilfe hat in beiden Fällen geklappt. Leider aber nur im Liefern von Waffen. Alles andere war und ist Mangelware geblieben. Auch die Befolgung des Gotteswortes. Und das ist recht eindeutig.
Das sollte auch der österreichische Obermuslim, Anas Schakfeh, wissen. Sein Eiertanz zwischen friedliebenden Islam und kriegerischer Befürwortung ist schief gegangen. Die Eier sind kaputt, er hat sich selbst demaskiert. Und mit ihm seine ganze Organisation. Die stößt nämlich ins selbe Horn wie ihr Chef. Seine kategorische Ablehnung eines liberalen "Euro - Islams" mit demokratischen, friedvollen Strukturen ist ja bekannt. Seine Zustimmung für Gewaltlösungen daher nahezu schon ein Analogschluss.
Fragt sich da wer, ob alle Muslime in Österreich mit "ihrem" Präsidenten und seinen Handlangern konform gehen? Sicher nicht! Wer aber türkisch/arabisches Obrigkeitsdenken kennt, kann sich seinen eigenen Reim auf Zustimmung oder Ablehnung machen. So gesehen hat er die Richtung vorgegeben, eine militante, engstirnige und ungerechte Richtung.
Der "denkende" Teil der Muslime sollte sich aber von diesem Präsidenten trennen und ihn genauso wie die Mehrheitsbevölkerung in die richtige Kategorie einordnen, nämlich in die der des Wolfs. Der Schafspelz wird nämlich nur bei Bedarf umgehängt.
Günther Ahmed Rusznak
IIDZ- Generalsekretär
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